Daten Nomaden - Befristete Arbeitsverträge in Zeiten des vermeintlichen Fachkräftemangels

Laut Handelsblatt kostet der Fachkräftemangel die Deutsche Wirtschaft bis 2030 mehr als 500 Milliarden Euro!

Warum werden dann Fachkräfte lediglich befristet oder im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung eingestellt? Warum reist sich nicht jedes Unternehmen, welches angeblich schwer unter dem Mangel an Fachkräften zu leiden hat darum, Fachkräfte langfristig an das Unternehmen zu binden?

Ganz einfach! Der Fachkräftemangel ist, zumindest im IT Bereich, eine Mär.


Oh ja, ich bin davon überzeugt, dass es einen echten Mangel an Fachkräften gibt. Zum Beispiel bei den sozial wenig anerkannten und geschätzten Pflegeberufen oder auch vieler Orts im medizinischen Bereich. Dort werden die wenigen Idealisten, welche solche Berufe sehr gerne ausüben, über Gebühr strapaziert und geschröpft, bis der Arbeitseinsatz im Burn-Out oder der Depression endet. In diesem Bereich müsste auch die Politik mehr Engagement zeigen und gewaltigen Änderungen den Weg ebnen.

IT ohne Fachkräfte - undenkbar!?

Doch was ist mit dem viel zitierten Mangel an Fachkräften im IT Bereich? Ich bin fest davon überzeugt, dass solch ein Mangel gar nicht existiert. Warum ich dieser Meinung bin? Ganz einfach, ich persönlich kenne höchstqualifizierte Spezialisten in den unterschiedlichsten IT Disziplinen. Allesamt haben mehrere Jahrzehnte Erfahrung im jeweiligen Fachbereich, sind lösungsorientiert, offen für neue Technologien, lernbereit und haben "ein Auge" für das große Ganze.

Warum finden derart fachlich versierte Arbeitnehmer keine adäquate Stelle? Sie sind zu alt und/oder zu teuer. Es gibt ja diese schöne Redewendung - "Wer mit Peanuts zahlt, bekommt Affen". Und diese Aussage gilt auch für die oben genannten Kolleginnen und Kollegen aus den unterschiedlichen IT Fachbereichen.



Wie es der Name schon sagt, wir reden hier über Fachkräfte, und die kommen nun halt nicht für ein Butterbrot und ein Spiegelei.

Mentalität der Unternehmen

Viele Unternehmen sind ernsthaft der Annahme, sie bekämen höchst qualifizierte Mitarbeiter, weil sie sich einen Tischkicker in den Empfangsbereich stellen und das Unternehmen, meist sehr unprofessionell, versuchen in Richtung Startup und modern zu gestalten. Man spricht sich mit einem offenem "Du" an und spielt als Arbeitgeber dadurch ganz weit vorne mit!?

Nein, so läuft das nicht. Viele Unternehmen scheinen immer noch nicht verstanden zu haben, welche exorbitant wichtige Rolle die IT und Digitalisierung für das Unternehmen spielt und noch wichtiger - in Zukunft spielen wird. In diesem Zusammenhang ist es müßig, die IT isoliert als Kostenfaktor zu betrachten. Die IT - oder besser, die digitale Welt - wird in den letzten Winkel der Wertschöpfungskette der Unternehmen Einzug halten.

Unternehmensführungen, die diese Tatsache noch nicht verinnerlicht und erkannt  - und noch viel essentieller - verstanden haben, werden nicht in der Lage sein, die kommenden zehn Jahre zu überstehen. Ganz im Gegenteil, diese "blinden" Unternehmen werden noch mehr fachlich qualifizierte Arbeitnehmer verlieren und dadurch in ernsthafte Krisensituationen geraten.

Befristete Arbeitsverträge sind ein Auslaufmodell

Warum kommt man als Unternehmen auf die Idee, ohne jegliche Sachgrundlage befristete Arbeitsverträge mit hochqualifizierten Fachkräften abzuschließen? Ist man der Annahme, IT und Digitalisierung seien ein vorübergehendes Phänomen? Warum hat man aufgehört, Fachkräfte langfristig in die Unternehmengeschicke mit einzubinden, diese zu fördern und sogar noch auszubauen und zu erweitern?

Liegt es ernsthaft daran, dass sich nicht genügend IT Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt befinden oder doch eher an der "Geiz ist geil" Mentalität der Unternehmen, verbunden mit sehr kurzfristigen Gedankengängen der Unternehmenslenker?

Vor dem Hintergrund einer mitten im Gange befindlichen Industrierevolution, sich verändernden Prozessen im Arbeitsleben, veränderten Kundengewohnheiten, dem Hinstreben in Richtung IT und Digitalisierung muss man einfach langfristig denken und planen. Selbst die ansonsten in diesen Angelegenheiten eher langsame Politik hat dies erkannt. Ganz gleich, ob man nun diese industriellen Entwicklungen gut heißen mag oder sich erschrocken abwendet, sie finden statt. Man hat genau zwei Möglichkeiten, damit umzugehen - entweder man stellt sich den Herausforderungen samt aller Konsequenzen, oder man resigniert und gibt auf.

Welches Unternehmen will sich angesichts soweit fortschreitender Tatsachen noch befristete Fachkräfte leisten? Befristete Arbeitsverträge sind vor diesen Hintergründen betrachtet ein echtes Auslaufmodell, Sinn- und Zwecklos.

Vollbeschäftigung - der Schlüssel für Zukunftfähige Konzepte

Nicht nur für Arbeitnehmer im Allgemeinen, sondern auch für Fachkräfte im Besonderen kann der einzig sinnvolle Weg nur der erstrebenswerte Weg nach Vollbeschäftigung sein. Nur so kann ein Arbeitnehmer für die Zukunft planen, eine Familie gründen und zum Wohlstand unserer Gemeinden, Städte und letztlich unseres Landes beitragen. Frei von Zukunftsängsten und der Sorge, schon morgen nicht mehr für sich und eine Familie sorgen zu können, wird dieser ausgeglichene Vollbeschäftigte ein echter Gewinn eines jeden Zukunftträchtigen Unternehmens. Nur so lässt sich langfristig planen. Dies gilt ganz speziell auch für Unternehmen, die ohne eine langfristige Planung mit fest angestellten Fachkräften schon in sehr naher Zukunft überlegen müssen, ob sie das Unternehmen fortführen oder aufgeben sollen.

In diesem Sinne, hoffe ich darauf, bei meiner Leserschaft den ein- oder anderen Überlegungsprozess in Gang gebracht zu haben. Wie immer freue ich mich über Kommentare zu meinen Überlegungen.

Es grüßt Euch herzlich

Matthias Bozek

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