Die Hoffnung stirbt zuletzt

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Ich werde hier ganz bestimmt nicht aus dem Nähkästchen plaudern, dagegen sprechen schon die § 8, Absatz 2 sowie § 15 Absatz 1 meines ehemaligen Arbeitsvertrages mit der Teichhaus Bad Nauheim GmbH als Fremdgeschäftsführer. Einen Maulkorb, was die öffentliche Berichterstattung über diese offenbar erfolglose Unternehmung betrifft, habe ich allerdings nicht unterzeichnet und lasse mir diesen auch nicht anlegen. Ich verrate in diesem Artikel also weder Betriebsinterna noch Geschäftsgeheimnisse. Wer darauf in diesen Zeilen hofft - es wäre vergebene Liebesmüh'. Ich habe lange Zeit öffentlich und privat zu diesem Thema geschwiegen, anlässlich der neuerlichen Berichterstattung in der Wetterauer Zeitung, auf der Homepage sowie auf der Facebookseite des Teichhauses, breche ich nun aber damit.

Edit vom 25.03.2018:

Und erneut verfällt die Wetterauer Zeitung der einseitigen und falschen Berichterstattung. Herr Klühs, warum hinterfragen Sie eigentlich die Dinge nicht, bevor diese veröffentlicht werden?

In Ihrer "Info" beschreiben Sie, dass 3 Geschäftsführer gescheitert seien, womit Sie ganz richtig liegen. Jedoch war der letzte erfahrene Experte, Herr Tim Müller, nicht Geschäftsführer sondern Betriebsleiter des Teichhauses. Seit dem 01.01.2016 verantwortete alleine Herr Christian Wohlgemuth als Geschäftsführer der Teichhaus Bad Nauheim GmbH die Geschicke des traditionsreichen Bad Nauheimer Ausflugslokals. Somit ist er ganz offenbar als der dritte gescheiterte Geschäftsführer gemeint!?

Kleiner Tipp am Rande: Unter der Internetadresse https://www.handelsregister.de/rp_web/welcome.do kann man kostenlos und rechtssicher zu einem Unternehmen genau recherchieren, wer zu welchem Zeitpunkt Geschäftsführer einer Personengesellschaft gewesen ist.

Wer mehr an den wirtschaftlichen Daten eines Unternehmens interessiert ist, wird ebenfalls kostenfrei fündig unter: https://www.bundesanzeiger.de - dort kann man die Jahresabschlüsse von Personengesellschaften einsehen. Jahresabschlüsse gehören zu den publizitätspflichtigen Daten einer Personengesellschaft und finden sich offline, wie auch online im Bundesanzeiger.

Einseitige Berichterstattung

Mir als ehemaligem Geschäftsführer der Teichhaus Bad Nauheim GmbH (vom 01.04.2015 bis zum 31.12.2015) ist durchaus bewusst, wie sehr das Herz der Bad Nauheimer Bürgerinnen und Bürger an diesem historischen Ort hängt. Ansonsten hätte ich die Herausforderung gar nicht angenommen. Denn ich komme beruflich aus Industrie und Handel und nicht aus der Gastronomie.

Foto: Laura Eßer


Der Plan war es, den damaligen Geschäftsführer, der in erster Linie ein hervorragender Gastronom in Küche und Konditorei ist, im kaufmännischen Bereich, im Service und der Öffentlichkeitsarbeit als zusätzlicher Geschäftsführer zu unterstützen. Bereits 10 Tage nachdem ich bei der Teichhaus Bad Nauheim GmbH als Fremdgeschäftsführer begonnen hatte, wurde der wichtige Part, der nun beiden Geschäftsführer, nämlich der Gastronomieprofi von der Gesellschafterversammlung verabschiedet, wie die Wetterauer Zeitung unter der Überschrift "Teichhaus in Schieflage - Geschäftsführer geht" ausführlich berichtete. Neben dem Geschäftsführer kündigte aber auch noch, wohl aus Sympathie, der damalige Küchenchef und die Restaurantleitung wurde ebenfalls entlassen. Ein paar weitere Fans und Angestellte des Gastronomen warfen ebenfalls das Handtuch oder wurden regulär und gesetzeskonform gekündigt.


Mit einer so dezimierten Mannschaft zum einen, einen vollumfänglich funktionierenden Betrieb aufrecht zu erhalten, und mehr noch, den wirtschaftlichen Erfolg zu steigern, war mehr als eine Herausforderung die, wie die Wetterauer Zeitung in ihrem Bericht titelte "auf meinen Schultern lastete". Für mich persönlich war ab diesem Zeitpunkt vor allen Dingen Pragmatismus, Organisationstalent und Krisenmanagement gefragt - eine Aufgabe, auf die ich mich so nicht vorbereiten konnte, da ich ja von grundsätzlich anderen Voraussetzungen ausgehen musste.

Auch dieser, mittlerweile aus den Analen der Wetterauer Zeitung, verschwundene Bericht war sehr unausgewogen. Machte man doch für die offensichtliche Schieflage insbesondere einzelne Beteiligte verantwortlich, anstatt einen Blick über den gerne zitierten Tellerrand zu werfen um aus der subjektiven eine objektive Berichterstattung zu machen.

Meine berufliche Erfahrung hat mich gelehrt, dass es zu solchen Schieflagen durchaus immer wieder kommen kann - zumeist spielen hier aber eine Vielzahl von Begebenheiten aus der älteren und jüngeren Vergangenheit eine Rolle, die in Summe zu so einer wirtschaftlichen Schieflage führen können.

Auch bedarf es eines ganzheitlichen Konzepts solche Unternehmungen wieder auf den richtigen Kurs zu bringen. Ungeduld und Schnellschüsse hinsichtlich zu treffender Entscheidungen sind dabei eher kontraproduktiv. Was über Jahre zu einer Schieflage geführt hat, lässt sich nicht binnen Monatsfristen wieder auf Kurs bringen - das weiß jeder gute Kapitän. Auch hastige Aktionen und blinder Aktionismus sind dort eher hinderlich als hilfreich. Zumindest ist es mir unter diesen sehr erschwerten Bedingungen und während meiner begrenzten Zeit imTeichhaus gelungen, das Teichhaus weg von der Schieflage und hin zu einem Konsolidierungskurs zu bewegen. Wäre mir mehr Zeit gegeben gewesen, so hätte ich gerne noch Kurs auf die Erfolgsaussicht genommen. Dies war mir leider verwehrt.

Einzig Kontinuität und auf lange Sicht ausgelegte Planung mit einer großen Portion Geduld und Empathie für Menschen in Verbindung mit einem "langen finanziellen Atem" sind bei solchen Unterfangen wirklich hilfreich und können schlussendlich auch zu wirtschaftlichen Erfolgen führen.


Liest man die von der Wetterauer Zeitung und weiteren Regionalblättern zum Teichhaus veröffentlichen Berichte in chronologischer Reihenfolge, so kann sich daraus ein durchaus differenzierteres Bild ergeben. Ich habe nicht den modernen Videobeweis für alle sportlich Interessierten parat, kann aber gerne nachfolgend ein paar beispielhafte Berichte zum Teichhaus aufführen, natürlich in chronologischer Reihenfolge:

Es liegt nie ausschließlich am Personal

Ich hätte dem neu eingestellten Betriebsleiter Tim Müller von Herzen gerne einen längeren Aufenthalt im Teichhaus als mir und dem ersten Geschäftsführer gegönnt. Bringt er doch laut Zeitungsbericht neben einer hohen gastronomischen Expertise zusätzlich viel wirtschaftliche Erfahrung aus Gastronomie und Hotellerie ein. Offenbar haben aber auch diese hervorragenden Eigenschaften nicht ausgereicht, im vierten Anlauf einen fulminanten Neustart im Teichhaus hinzulegen - wie man im letzten Artikel der Wetterauer Zeitung lesen muss, wegen zu wenigen Gästen. Letztlich war Müller nicht derjenige, der es am Längsten im Teichhaus aushalten sollte sondern derjenige, der am Kürzesten am Ruder des Bad Nauheimer Traditionbetriebes war. Personalschulungen, gerade im Servicebereich, wurden auch zu meinen Zeiten als Geschäftsführer von gelernten Hotelfachleuten konsequent durchgeführt - insofern stellte auch diese im Bericht angekündigte Maßnahme kein Novum dar.


Das grundsätzlich in der Gastronomie aus flexibilitätsgründen häufig mit Aushilfekräften gearbeitet wird ist kein Geheimnis. Das solche Servicekräfte dann nicht so routiniert mit den Gästen umgehen können, wie zum Beispiel eine gelernte Hotelfachfrau oder ein Hotelfachmann, dürfte einleuchtend sein. Das ganze Übel zum Thema "sein oder nicht sein" dann aber ausschließlich dem Personal zuzuschreiben, entbehrt jeglicher Moral und Objektivität. Die Mitarbeiter in der Gastronomie geben täglich, wenn nicht sogar Sonn- und Feiertäglich ihr Bestes, verzichten weitestgehend auf ein ausgeglichenes Privat- und Familienleben, arbeiten weit über das übliche Maß eines 8 Stunden Tages hinaus, ausschließlich um den Gast glücklich zu machen. Psychologisch betrachtet könnte man dort schon fast so etwas wie ein Helfersyndrom vermuten.

Natürlich kenne auch ich mürrische Kellnerinnen und Kellner, Köche die nicht ihren Besten Tag hatten, weil das Fleisch zu trocken war oder der Kartoffelstampf nicht grob genug und mit wenig Geschmack. Das sind "Ausreißer" wie sie nun mal vorkommen. Auch der Gast hat gute und schlechte Tage, sowohl beruflich als auch privat - sollte das dann auch bei jedem online Kritikportal thematisiert werden? Ich denke nicht. Wir leben nicht in einer perfekten Welt und sind doch Alle auf der Suche nach Perfektionismus - insbesondere dort, wo wir es mit Dienstleistungen zu tun haben. Das kann kein Mensch dauerhaft leisten, selbst wenn das Streben danach vorhanden sein sollte.

Wenn etwas in Summe nicht funktioniert, dann liegt es mit Sicherheit nicht ausschließlich an den Menschen, in der Gastronomie dem Personal. Dort muss man schon weiter greifen, um das oder die Übel zu erkennen und langfristige Strategien entwickeln, die auch solche Unternehmungen wie ein Teichhaus erfolgreich machen könnten.

Ein neuer Pächter ist kein Allheilmittel

Natürlich wird es "der Neue" schwer haben, kennt er zumeist die Zusammenhänge und Entwicklungen nicht - das ist immer und überall so. Das Teichhaus ist und bleibt ein architektonisches Kleinod der Kurstadt Bad Nauheim. Aufwändig revitalisiert, mit bester Technik ausgestattet - auch "hinter den Kulissen", stets adrett und fein herausgeputzt, selbst auf Inklusion wurde geachtet, niemals schmuddelig oder unaufgeräumt. Alleine dafür zeichnet der Immobilieninhaber neben vielen weiteren Annehmlichkeiten verantwortlich. Insofern allerbeste Voraussetzungen für einen neuen Pächter.

Er geht aber das gleiche Risiko wie alle Vorpächter, selbst der Pächter und Eigentümer des "alten" Teichhauses, ein. Ihm fehlt die wichtige Kalkulationsgrundlage, die Gästezahl. Ohne diese Größenordnung wird es ihm schwer fallen vernünftig zu kalkulieren und dazu noch gastronomisch zu überzeugen. Die Logistik das komplette Ensemble wirtschaftlich vernünftig zu bewirtschaften ist schwierig, wenn auch nicht ausgeschlossen. Allerdings muss auch der neue Pächter erst einmal die Pacht und die Lohnkosten der Angestellten erwirtschaften, neben einem wirtschaftlichen Einkauf von Lebensmitteln, Getränken und den zu erbringenden Unterhaltskosten. Ich wünsche allen Bad Nauheimerinnen, Bad Nauheimern und natürlich auch den Gästen aus anderen Teilen der Republik für die Zukunft auf jeden Fall einen sorgenfreien Aufenthalt am großen Teich mit der Option auf kulinarische Highlights und einen soliden Gastronomiebetrieb an dieser Stelle. Das Teichhaus ist ein wundervoller Ort um innezuhalten, den Park, den großen Teich, die Umgebung auf sich wirken zu lassen - und wenn dann noch die Gastronomie im Park stimmt, zu genießen und mit allen Sinnen zu erleben. Hierfür, liebe Bad Nauheimer Bürgerinnen und Bürger, ist es allerdings notwendig, dass Sie das Teichhaus fest in Ihren Ausgehplan integrieren. Denn nur wenn Sie auch mal während der Woche vorbeischauen und sich kullinarisch verwöhnen lassen, schafft das Teichhaus den Sprung vom klassischen Sonntagsmittags-Ausflugslokal in die Herzen Ihres Lieblingsrestaurants. Geben Sie sich und dem neuen Teichhaus Pächter also bitte diese einmalige Chance! Langfristig wird Sie das Teichhaus in sämtlichen Belangen überzeugen - davon bin ich überzeugt!


Diskutieren Sie gerne mit oder kommentieren Sie meine persönlichen Eindrücke

In einem Bericht der Wetterauer Zeitung hieß es einmal das Schicksal des Teichhauses lasse Niemanden kalt. Beweisen Sie es mir und diskutieren Sie gerne meine persönlichen Eindrücke oder kommentieren Sie diesen Artikel, den ich nicht verfasst hätte, wäre mir das Teichhaus - trotz mittlerweile erfolgreicher, anderer beruflicher Ausrichtung - egal! Ich habe mich auf meine langjährigen Kernkompetenzen besonnen und mich sehr erfolgreich wieder der IT und dem kaufmännischen Bereich zugewandt. Wie heißt es immer so schön? "Schuster bleib' bei Deinen Leisten!"

Es grüßt Sie herzlichst
Ihr Matthias Bozek

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