Bewerbung 80ies Style - Do's und Don'ts


Heute durfte ich mir telefonisch erklären lassen, dass meine Bewerbungsunterlagen eher Mittelmaß und zudem eher 80ies Style sind. Man bot mir an, nachdem man eine bereits avisierte Skype-Konferenz kurzerhand abgesagt hatte, das Gespräch zu beenden oder offen über die "Minuspunkte" meines Bewerbungvorgangs zu sprechen. Das Gesprächsangebot habe ich gerne angenommen.

 

Start-ups sind doch nicht so "anders" als andere Unternehmen auch

Start-up Unternehmen beim Meeting
Natürlich wusste ich auf was ich mich einlasse, wenn ich einem Start-up meine Bewerbungsunterlagen zusende. Das erste Telefonat vor dem Versand der Unterlagen verlief auch sehr angenehm. In einer Start-up Szenehauptstadt zu arbeiten bereitete mir auch wenig Kopfzerbrechen, für den richtigen Job bin ich schließlich Umzugsbereit. Im Telefongespräch mit einem der Gründer teilte man mir auch mit, dass die Unternehmenskultur eines Start-ups schon von der Unternehmenskultur "herkömmlicher" Unternehmen abweichen würde und stellte mir die Frage, ob ich mir so zu arbeiten vorstellen könnte. Klar kann ich das.



Es schreckt mich auch nicht ab, mich mit den Klischeebehafteten Vorstellungen von einem typischen Start-up, mich bei eben einem solchen zu bewerben - zumal ich ja über eine große Businessplattform angesprochen wurde und so der Kontakt zustande kam. Also habe ich meine Unterlagen, in diesem Fall bestehend aus Lebenslauf, Zeugnissen, Zertifikaten, einem Empfehlungsschreiben eines Nebengewerbskunden und einer Inhaltsübersicht des Ganzen, an dieses Unternehmen gesendet. Im Text der E-Mail habe ich freundlich, und dass war wohl ein böser Fehler meinerseits, unter P.S. auf reichlich "Kauderwelsch" in nur zwei Sätzen im einzigen Blogbeitrag der Unternehmenseite hingewiesen. Als ich das gelesen hatte dachte ich mir nur "Oh Gott, das kann man so nicht da stehen lassen. Man schließt doch gleich von so einem Satzbau und falscher Orthographie auf die Unternehmenleistung, die gleichwohl mehr Professionalität erfordert."
Buchstabensalat
Das Wort "Kauderwelsch" erwähnte ich übrigens nicht sondern zeigte sehr freundlich auf, was nicht richtig war und wie es richtig wäre. Hätte ich es doch nur gelassen - aber hey, seid ihr Start-ups nicht alle cool, crazy, locker, familiär, frech, frisch, frei und einfach anders? Offenbar nicht - zumindest nicht die, die ich in Deutschland kennengelernt habe.

Einladung zur Skype-Konferenz mit Hindernissen

Ich erhielt daraufhin eine nette Mail, dass man mit mir gerne in der kommenden Woche eine Skype-Konferenz machen wolle und fragte mich nach einem passenden Termin. Für das Auffinden weiterer im Text verborgener Orthographie Fehler wurde mir großzügig eine Packung Gummibärchen versprochen. Letztlich bekam ich dennoch einen Dank für die Rechtschreibprüfung. Spätestens an dieser Stelle hätte ich merken müssen, dass man das ja gar nicht ernst meint, war ja auch ein "Zwinckerer" (ich bin Baujahr 65, ich darf "Zwinckerer" anstatt emoticon sagen) im E-Mail Text hinter dem Wort Gummibärchen versteckt und außerdem kommunizierte ich ja mit einem Start-up.

Dezent wurde ich in der Einladungsmail zur Skype-Konferenz noch darauf hingewiesen, dass man gerne im Vorfeld verstehen wolle, warum ich so häufig gewechselt bin? (hätte da nicht stehen müssen - so häufig gewechselt habe? - naja, egal) und warum die Perioden meiner Anstellung doch verhältnismäßig kurz waren. Hierzu sollte man vielleicht wissen, dass ich bis zum April 2013 mehr als 15 Jahre in ein- und demselben Unternehmen gearbeitet habe. Anschließend bin ich beruflich Achterbahn gefahren - das tue ich ja noch immer, irgendwie. Aber selbst seit April 2013 bis heute gab es lediglich 2 Wechsel - aber klar, 2 Wechsel innerhalb von 4 Jahren kann man auch als häufig betrachten. Die Dauer des jeweiligen Beschäftigungsverhältnisses kann ich übrigens genau und transparent erklären - ich habe da Nichts zu verbergen.
Gummibärchen

Meine Antwort und eine verblüffende Reaktion 

Ich habe mir mit meiner Antwort wirklich sehr viel Mühe gegeben. Ich hatte 2 Termine zur Auswahl für die anberaumte Skype-Konferenz mitgeteilt. Darüber hinaus habe ich alle Aspekte ausführlich geschildert, die mich dazu bewogen hatten, von einem zum anderen Arbeitgeber zu wechseln und so auch die jeweilige Dauer des Beschäftigungsverhältnisses erläutert. Unterstützt habe ich das mit ein paar Internetlinks (Kununu und Regionalpresse), da daraus auch der ein- oder andere Funke Wahrheit hervorgeht und man sich eher ein objektives und transparentes Bild machen kann, was ich beruflich getan habe und vielleicht auch, warum ich gekündigt hatte bzw. den Arbeitgeber gewechselt habe.

Heute kam sie dann, die E-Mail mit der Bitte um einen Rückruf. Ich ahnte schon nichts besonders Gutes, war allerdings in einem anderen Termin "gefangen" und antwortete, dass ich mich später telefonisch melden werde - was ich dann auch tat.

Bei dem Telefonat mit dem gleichen Ansprechpartner wie beim ersten Telefonat, wurde mir dann mitgeteilt, dass meine Antwort E-Mail doch zu ausführlich geraten sei. Man hätte den Sachverhalt auch kürzer darstellen können und die Internetlinks hätte ich auch besser sein lassen sollen. Aufgrund dessen würde man nun lieber, auch nach Rücksprache mit dem weiteren Skyper, doch lieber von der Skype-Konferenz Abstand nehmen und die "Sache" an dieser Stelle beenden. Ich wurde direkt danach gefragt, ob wir das Telefonat nun beenden sollten oder nicht. Ich entschied mich für nicht, denn es ist mir immer wichtig, aus solchen Situationen zu lernen oder zumindest die Hintergründe zu verstehen.

Do's und Don'ts

Ich fasse jetzt einfach mal die erhellenden (und für mich zum Teil auch erheiternden) Erkenntnisse dieses weiteren Gesprächs zusammen, sonst wird dieser Beitrag noch länger.

Also, verweise niemals in einer Bewerbungsmail auf offensichtliche Fehler auf der Internetseite deines potentiellen Arbeitgebers. Es ist nicht entscheidend, ob du dort Fehler entdeckst, die sowieso jedem gleich in's Auge springen. Es ist der Zeitpunkt entscheidend, zu dem du auf diese Fehler vielleicht hinweisen darfst. Besonders geeignete Zeitpunkte wären z. B. gemeinsame Meetings.

Fasse dich kurz und lasse lieber einen Satz mehr als einen Satz zu wenig in deiner Antwort weg. Je mehr du schreibst, umso mehr denkt dein Gegenüber, du seist in einer Defensivposition und würdest dich verteidigen.

Verlinke niemals irgendwelche Seiten in Deiner E-Mail, du mutest deinem Gegenüber damit einfach zu viel zu - und so genau will er vielleicht auch gar nicht über dich und deine Jobwechsel Bescheid wissen. Ganz schlechter Stil ist es übrigens auf Kununu zu verweisen. Das macht man einfach nicht, auch dann nicht, wenn es sich um Not- oder Sondersituationen handelte, die vielleicht ein wenig erhellen könnten warum du einen Arbeitgeber verlassen hast.
Lebenslauf pimpen - Ja oder Nein

Es macht viel Sinn deinen Lebenslauf aufzupimpen (so sagt man das heute doch - oder?). Mein Lebenslauf, so wurde mir im Telefonat mitgeteilt, sei eher so im unteren Mittelfeld zu sehen - und überhaupt seien die Bewerbungsunterlagen eher so 80ies Style. Immerhin bekam ich ein kostenloses, 2-Stündiges Angebot des Gesprächspartners, in denen er mir zeigen und erläutern möchte, wie man seine Unterlagen seiner Meinung nach heutzutage präsentieren sollte, denn im Vertriebs- und Sales Bereich sei er echt fit.


Schade, dass die Bundeshauptstadt fast 700 km entfernt ist, ansonsten würde ich das Angebot glatt annehmen. Es kommt dann letztlich doch auf Sales und Vertrieb der eigenen Person an. Ich verkaufe mich also selbst zu schlecht. Vielleicht sollte ich bunte Pril-Blümchen auf mein Anschreiben kleben, die fallen gleich in's Auge und passen dann halt auch wieder zu meinem Lebenslauf 80ies Style = runde Sache.

Letzte Erkenntnis des Telefonats - die Packung Gummibärchen gibt es gar nicht.

"Sweet Job-Hopping" - oder einfach, viel Erfolg bei der Suche nach einer langfristigen beruflichen Perspektive!

 

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