50 Plus - Kanonenfutter für Arbeitgeber - Ablehnende Haltung gegenüber Stellensuchender über 50

Ja wohl, ich selbst als Betroffener mache mir langsam ernsthafte Sorgen, was euch Arbeitgeber wohl davon abhalten könnte, Bewerber über 50 einzustellen. Hierzu habe ich ein wenig im Netz recherchiert.

 

Jobsuche als über 50 jähriger

Stellensuche mit 50 Jahren
Vorweg schicken möchte ich an dieser Stelle, dass dies kein Post wird, in welchem ich lediglich jammere oder mich beklagen möchte. Ich war in meiner Berufslaufbahn immer wieder mal in der Situation mich um einen neuen Arbeitsplatz zu bewerben. In der Vergangenheit kam ich rascher zu konkreten Ergebnissen und zu einem neuen Arbeitsplatz. Ich unterstelle auch nicht, dass es allen Jobsuchenden ab 50 so geht wie mir, dennoch wird dem ein- oder anderen Leser dieses Blogs manche Situation bekannt vorkommen.



 

Selbstreflexion ist ein Muß - Kein Kokettieren mit dem Alter

Wenn du 50 oder kurz darüber bist und nach einem neuen Job suchst, solltest du dir Gedanken dazu machen, warum du kaum oder nur sehr zögerlich Antworten oder Einladungen zu Vorstellungsterminen bekommst. Dein Lebenslauf sprudelt sicherlich nur so von beruflichen Erfahrungen und Ergebnissen, die du positiv zum Wohle deines neuen Arbeitgebers einsetzen kannst. Deine Zeugnisse sind, selbst wenn man die vermeintliche Geheimsprache in solchen Dokumenten lesen kann, durchaus akzeptabel bis gut oder sehr gut. Du verfügst über Zertifikate, die deine Leistungen mit harten Fakten belegen können. Und dennoch - weit und breit kein hinreichend sinnvoller Job in Aussicht!?

Alles Fassade? Was steckt dahinter?
Jetzt ist es durchaus sinnvoll einfach mal Zwischenbilanz zu ziehen und sich zu fragen, woran diese wenig erfolgreiche Bewerbungsphase liegen könnte. Obwohl mir von einem Headhunter telefonisch schon bestätigt wurde, dass sehr wohl nach Alter aussortiert wird, bringt es dich nicht weiter, mit deinem Alter zu kokettieren. Eine ernsthafte Zwischenbilanz oder Selbstreflexion ist dringend notwendig, um zu verstehen, warum du in diesem Lebensabschnitt einfach schlechtere Karten als jüngere Mitbewerber hast.

In Deutschland gibt es ein allgemeines Gleichbehandlungsgesetz, in der Umgangssprache auch Antidiskriminierungsgesetz genannt - sogar mit einem arbeitsrechtlichen Teil. Darin ist eindeutig geregelt, dass man weder wegen Rasse, ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter oder Sexualität benachteiligt werden darf.

Da Papier aber bekanntlich geduldig ist, ist dieses Gesetz auch nur dann etwas wert, wenn du beweisen könntest, dass du wegen deines Alters nicht im Bewerbungsprozess berücksichtigt werden konntest. Kein Arbeitgeber der Welt würde dir in einer Absage mitteilen "Leider konnten wir Ihre Bewerbung aufgrund Ihres doch schon verhältnismäßig hohen Alters nicht berücksichtigen!" Er wäre doof, würde er das so formulieren, denn dann würde er gegen besagtes Gesetz verstoßen und du könntest tatsächlich Schadensersatzansprüche geltend machen.

Dies führt uns wieder zurück zur eigentlichen Aussage, Selbstreflexion? Ja, unbedingt! Kokettieren mit dem Alter? Nein, weil es Nichts bringt, wenn du in Selbstmitleid und Depressionen versinkst.

Selbstreflexion - aber wie?

Es gibt eine Menge Dinge zu deiner Person, die dir nur Aussenstehende verraten würden und könnten, da du vielleicht ein komplett anderes Bild von dir im Kopf hast. Nur wenige Menschen würden dir die Wahrheit darüber verraten, was sie tatsächlich über dich, dein Erscheinungsbild oder dein Auftreten in der Öffentlichkeit denken.

Im Gespräch mit Freunden der Wahrheit in's Auge blicken
Auch wenn es hier darum geht, sich selbst einen Überblick der eigenen Person zu verschaffen, so sind sehr gute Freunde, eigentlich beste Freunde, Verwandte und Familie wichtig, um dir ein möglichst objektives Bild über dich selbst zu verschaffen. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit, die andere Hälfte besteht darin, ehrlich und aufrichtig dir selbst gegenüber zu sein. Nur eine Kombination aus mehreren Punkten zeichnet ein hoffentlich positives und objektives Bild deiner Selbst.

Am Besten ist es, du sprichst dieses Thema ganz offen gegenüber deinem Vertrauten an. Verrate Ihm oder Ihr auch ruhig den Grund deiner Nachfrage. Wenn du Glück hast, bekommst du so Informationen, die du sehr gut dazu benutzen kannst, dir selbst ein Stückchen näher zu kommen.

Was zeichnet dich besonders aus, worin bist du besonders gut? Aber auch, was ist nicht dein Ding? Was magst du überhaupt nicht, worin bist du wirklich richtig schlecht? Es geht hier nicht darum, dein wahrscheinlich ohnehin angekratztes Ego auf Vordermann zu bringen oder noch mehr zu ramponieren, sondern darum ein möglichst realistisches Selbstbild von dir zu bekommen. Denn nur so wirst du in der Lage sein, zur richtigen Zeit die richtigen Entscheidungen mit dem richtigen Ziel zu treffen bzw. da es hier ja immer noch um die Jobsuche geht, den passenden Job zu finden und deine Chancen diesen zu bekommen zu erhöhen.

Sei einfach mal ehrlich zu dir selbst, es wird dir gut tun. Schließlich geht es bei der Selbstreflexion ja darum, dass du dir ein paar wichtige Fragen selbst und vor allen Dingen ehrlich beantwortest. Vielleicht hattest du in der Vergangenheit einfach nicht so viel Erfolg, weil du dich auf den falschen Job, mit den falschen Vorstellungen davon beworben hast. Versuche ruhig auch mal "um die Ecke" zu denken oder etwas Neues für dich zu entdecken. Vielleicht etwas, dass du schon immer tun wolltest. Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt, zu analysieren, ob du es nicht einfach mal wagen solltest.

Hard Facts - Harte Fakten zu Menschen jenseits der 50, 60...

Altersbedingte Veränderungen von Geist und Körper
Aha, also gleich nach der Selbstreflexion versteckt dieser Blogger die harten Fakten, denkst du sicher gerade. Keine Angst, es wird halb so schlimm, wie es sich anhört. Dennoch kannst und solltest du auch die Fakten zu Menschen ab 50 kennen. Wahrscheinlich sind es diese Fakten, die überwiegend medizinischer Natur sind, die deinen potentiellen Arbeitgeber davon abhalten sich überhaupt auch nur ansatzweise mit deiner Bewerbung auseinander zu setzen.

Obwohl es von Mensch zu Mensch sehr große Unterschiede geben kann, unterliegst auch du den Altersbedingten Veränderungen von Geist und Körper. Diese Veränderungen setzen bei dem Einen früher ein als bei einem Anderen und sind auch in der Ausprägung oft deutlich unterschiedlich.

Deine Augen beginnen bereits häufig schon ab 40 Jahren sich auf kurze Entfernungen nicht mehr vernünftig einzustellen. Schwankende Lichtbedingungen mögen sie dann auch nicht mehr so gerne. Neben störenden Geräuschen im Ohr, verlierst du Altersbedingt auch einen Teil der Fähigkeit, insbesondere höhere Töne wahrzunehmen. Ebenfalls nehmen oft Geruchs- und Geschmackssinn ab und du trinkst vermutlich zu wenig, weil dir dein Durstgefühl verloren gegangen ist.

Wichtiges Organ - Das Gehirn
Wissenschaftlich wurde auch nachgewiesen, dass mit zunehmendem Alter die Anzahl der Gehirnzellen abnimmt und die Nervenverbindungen untereinander schlechter funktionieren. Ebenso erwiesen ist allerdings auch, dass durch Training sogar neue Gehirnzellen bis in's hohe Alter gebildet werden können. Insgesamt werden mit zunehmendem Alter die Abwehrkräfte des Immunsystems schwächer, so das du häufiger erkranken könntest und Erkrankungen auch schwerer verlaufen können als in noch jungen Jahren.

Es gäbe noch eine Unzahl mehr an harten Fakten, die dir deutlich machen könnten, das du dem Teenager Alter bereits seit geraumer Zeit entwachsen bist.

Jetzt fragst du dich sicherlich, was das soll. Warum schreibt dieser Blogger in einem Beitrag zum Thema Stellensuche über 50 von so schrecklichen Dingen wie dem körperlichen und geistigen Verfall? Ganz einfach, weil ich dir als Stellensuchendem Mut machen möchte, einfach mal zu überprüfen, ob du wirklich körperlich und geistig schon dermaßen verfallen bist, das eine Jobsuche ohnehin in einem aussichtslosen Desaster enden wird. Viele der oben genannten Anzeichen des Alterungsprozesses hast du wahrscheinlich überhaupt nicht mitbekommen und du fühlst dich viel besser und gesünder sowie geistig in bester Verfassung.

Warum solltest du jetzt also aufgeben nach einem Job zu suchen, den sicherlich auch wesentlich jüngere Menschen erledigen könnten? Häufig ist es doch so, das jüngere Menschen gar nicht über die von dir in jahrzehntelanger Arbeit erworbenen Berufserfahrung verfügen. Es fehlt ihnen häufig an der fachlichen Expertise, die du in mühevollen Jahren erworben hast. Außerdem hast du in einem fortgeschrittenen Alter eine Menge mehr zu bieten, als zum Beispiel einen "Bachelor in Business Administration" oder ähnlich schillernd klingende Titel, die gerne von Eliteuniversitäten verliehen werden.

Ich habe den allergrößten Respekt vor jungen Menschen, die sich sicherlich auch während eines Studiums nicht immer in der Disziplin des Lernens leicht getan haben, um den angestrebten Abschluss zu erreichen.

Erfahrung ist unersetzlich
Dennoch verfügt naturgemäß ein älterer Mensch über einen weitaus größeren Erfahrungsschatz des praktischen Berufslebens, das sehr häufig von den fiktiven Szenarien an den Universitäten abweicht. Nicht übersehen sollte man auch die Softskills wie zum Beispiel Geduld, Zuversicht, Verhandlungsgeschick, Menschenkenntnis und einige andere mehr, die im Beruf benötigt werden, und die zwangsläufig erst mit fortgeschrittenem Alter einen gewissen Reifegrad erreichen können.

 

Mein Fazit

Es scheint ganz normal zu sein, dass man in einem fortgeschrittenen Alter seltener den passenden Job findet und sich auch bei der Stellensuche etwas schwer tut. Dennoch, würde man die Minuspunkte mit den Pluspunkten des Jobsuchenden 50 + abwägen, so würden höchstwahrscheinlich die positiven Aspekte eines bereits gelebten Berufslebens überwiegen. Zudem sollten sich gerade Arbeitgeber einmal deutlich machen, welchen Gewinn sie mit einem berufserfahrenen Arbeitnehmer zu verbuchen haben. Und sind wir doch mal ehrlich, welches Risiko geht den der Arbeitgeber ein, die Vakanz auch einem älteren Arbeitnehmer zu übertragen. Wir, und da wage ich es einfach mal, für meine komplette Generation zu sprechen, haben noch ganz konkrete Vorstellungen von Ehre, Berufsehre, Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber, Pflichtbewußtsein, Kritikfähigkeit und vielen Dingen mehr, die man uns nicht mehr beibringen muß.

Vor diesem Hintergrund rufe ich dir zu:

"Kopf hoch, du bist auch schon durch härtere Zeiten gegangen und hast immer wieder deinen eigenen Weg gefunden, halte durch!"

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